Berufseinstieg und Arbeitgeberwahl im Bereich Datenschutz

Seitdem im Jahr 2018 die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) anwendbar wurde, ist der Markt für Dienstleistungen rund um das Datenschutzrecht förmlich explodiert. Es drängten massiv Anbieter auf den Markt, viele leider ohne die tatsächlich notwendigen Qualifikationen.

Für Absolventen eines juristischen Studiengangs ist eine Spezialisierung auf das Datenschutzrecht durchaus sinnvoll, die Jobaussichten sind äußerst gut. Doch worauf sollten zukünftige Datenschutzjuristen beim Berufseinstieg und insbesondere der Auswahl eines Arbeitgebers achten? Michael Plankemann, selbst seit zwei Jahrzehnten im Datenschutz tätig, hat einige wichtige Hinweise.

Berufseinstieg im Datenschutz

Das Datenschutzrecht ist immer noch oft ein Randbereich der juristischen Lehre und regelmäßig kein Pflichtfach. Darüber hinaus haben wir es beim Datenschutzrecht mit einer echten Besonderheit zu tun: das Gesetz fordert eine angemessene Umsetzung von Informationssicherheit. Ein Datenschutz-Consultant bzw. -Auditor muss damit über die juristischen Kenntnisse hinaus ein gutes Verständnis im Bereich der IT besitzen, um nicht nur eine Hälfte der Beratung erbringen zu können (siehe unser Ratgeber zu den fachlichen Qualifikationen für eine Karriere mit dem Datenschutz).

Sehr viele Juristen sind ab dem Moment, in dem es technisch wird, überfordert. Deshalb ist der Beruf des Datenschutzjuristen einer, der meist erst im Training on the Job wirklich erlernt werden kann. Eine Ausbildung zum Datenschutzbeauftragten (z. B. bei TÜV oder IHK) ist zwar grundsätzlich zu empfehlen, hilft aber nur einen kleinen Schritt weiter. Wer sich allein auf Basis dieser Qualifikation selbstständig machen will, wird im Berufsalltag schnell an seine Grenzen stoßen.

Umso wichtiger ist es für Absolventen, den richtigen Partner für den Berufseinstieg zu wählen. Aller Erfahrung nach sind Großkanzleien nicht dafür geeignet, sich als Berufsanfänger auf das Datenschutzrecht zu spezialisieren. Denn in Großkanzleien findet meist eine starke Arbeitsteilung bei der Betreuung von Kunden statt. Gerade der Datenschutz als Querschnittsmaterie verschiedener Rechtsgebiete erfordert jedoch umfassende juristische, organisatorische und technische Kenntnisse. Auch wird eine partnerschaftliche und kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Klienten erschwert.

Die Rechts- oder Compliance-Abteilung eines Konzerns ist ebenfalls nicht der ideale Ort, um eine Karriere als Datenschutzjurist zu beginnen. Denn auch hier ist schwer, das notwendige Fach- und Anwendungswissen auf einer breiten Basis zu erwerben.

Für den Berufseinstieg im Bereich des Datenschutzrechts bietet sich stattdessen eine Boutique-Kanzlei mit entsprechender Ausrichtung an. Als Alternative kommen zahlreiche spezialisierte Consultingunternehmen bzw. Unternehmensberatungen infrage. Hier sollten Bewerber jedoch darauf achten, dass dort zumindest überwiegend Juristen tätig sind, um in ein entsprechend qualifiziertes Umfeld zu gelangen.

Deutlich zu warnen ist vor sogenannten Datenschutz-Sweatshops, in denen Berufseinsteiger zum Callcenter-Agenten degradiert und auf die Entgegennahme von Anrufen sowie die Erteilung von vorformulierten Standardantworten beschränkt werden. Eigene Mandate sind nicht vorgesehen. Einsteiger sollten daher vorgewarnt sein: Für diese, auf einen möglichst profitablen aber wenig qualifizierten Massenmarkt ausgelegten Unternehmen ist es nicht wirtschaftlich, mittels Wissens und Verantwortung in die eigenen Mitarbeiter zu investieren.

Stattdessen bietet der Arbeitgeber im Idealfall ein Mentorenprogramm für Berufseinsteiger bzw. Junior Professionals an. Wer einem erfahrenen Kollegen über die Schulter schauen und seine Fragen sofort stellen kann, lernt einfach deutlich schneller. Fortbildungen – vor allem im Bereich der Informationssicherheit – sollten selbstverständlich dazu gehören. Auch eine große Branchenvielfalt der Klienten ist von Vorteil, weil Datenschutzjuristen nur so ein wirklich breites Anwendungswissen und Kenntnisse in angrenzenden Rechtsgebieten erwerben.

Auswahl eines geeigneten Arbeitgebers im Bereich des Datenschutzrechts

Der durch die DSGVO stark aufgeblähte Markt im Bereich Datenschutz dürfte sich mittelfristig wieder konsolidieren. Es ist davon auszugehen, dass Anbieter ohne entsprechendes Anwendungswissen und ohne Mitarbeiter mit überzeugender Berufserfahrung sich nicht langfristig auf dem Markt halten können. Selbst wenn die voraussichtlich in den nächsten Jahren in Kraft tretende ePrivacy-Verordnung eine der DSGVO vergleichbare Panik bei den datenverarbeitenden Unternehmen auslöst, wird sich letzten Endes allein Qualität durchsetzen.

Für Juristen, die mit dem Datenschutzrecht auch langfristig Karriere machen wollen, lohnt es sich deshalb, auf den richtigen Arbeitgeber zu achten. Neben den oben diskutierten Bedingungen für Berufseinsteiger kann vor allem der Blick auf die Unternehmensstrategie helfen, einen potenziell erfolgreichen Arbeitgeber zu wählen.

Hier ist vor allem eine internationale Ausrichtung wichtig, weil das Datenschutzrecht überall an Bedeutung gewinnt. Und zwar nicht nur in der EU, sondern auch weltweit. Denn mit der DSGVO kommt datenschutzrechtlich das Marktortprinzip zum Tragen – das heißt: Auch Anbieter aus China, Indien oder den USA müssen Vorgaben der DSGVO beachten, wenn in der EU befindlichen Personen Waren oder Dienstleistungen angeboten oder deren Daten verarbeitet werden.

Darüber hinaus lohnt es sich für Berufseinsteiger, die technologischen Kompetenzen des zukünftigen Arbeitgebers im Auge zu behalten. Einerseits wird gerade im Bereich der Datenverarbeitung der Automatisierungsgrad weiter zunehmen. Dadurch treten immer wieder vom Gesetz nicht unmittelbar geregelte und im internationalen Kontext divers gehandhabte Datenschutzfragen auf. Hier kommt nur weiter, wer im Bereich der Informationssicherheit mitreden kann. Andererseits sehen sich Juristen der Herausforderung von Legal Tech ausgesetzt. Hier besteht die Kür darin, Standardprozesse zu automatisieren und zugleich individuelle Lösungen für Probleme zu finden, die der eine oder andere Klient garantiert mitbringt.

Zu guter Letzt sollten Absolventen bei der Arbeitgeberwahl darauf achten, dass im Unternehmen selbst die Werte und Vorgaben des Datenschutzes und auch der Informationssicherheit gelebt werden. Geht aus der Website des Arbeitgebers nicht hervor, wie das geschieht (z. B. durch eine Zertifizierung nach ISO 27001), macht es Sinn, im Bewerbungsgespräch danach zu fragen. Denn nur wer selbst praktiziert, was er seinen Klienten rät, wird authentisch und erfolgreich arbeiten.

Fazit: Auf den richtigen Einstieg kommt es an

Für Berufseinsteiger im Datenschutzrecht ist vor allem der erste Arbeitgeber relevant. Nur hier lässt sich die Praxis des Datenschutzjuristen wirklich erlernen und üben. Wer ein paar Jahre in einer Boutique-Kanzlei oder einem Datenschutz-Consulting-Unternehmen gelernt hat, kann anschließend freier schauen, in welcher Position er Karriere machen will.

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